Die Heilige Schrift

kann dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus

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Dennoch bleibe ich stets an dir…

Predigt zum Reformationstag

Zum Reformationsfest
Eine Predigt über Matthäus 11,12-15

Predigttext:

Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es zu sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes. Und (so ihr’s wollt annehmen) er ist Elias, der da soll zukünftig sein. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Das Himmelreich ist Christi Kirche, die Gemeinde der Heiligen, die Schar aller wahrhaft gläubigen Christen aus allen Zeiten und Orten.

Wer zum Himmelreich gehört, dem ist alle Sünde vergeben, der ist erlöst von allen Folgen der Feindschaft gegen Gott, der wird im Augenblick seines Todes „im Paradies” sein, der ist vor der ewigen Verdammnis bewahrt – aus lauter Gnade um Christi willen.

Indem das Evangelium in dieser Welt verkündigt wird, sammelt Christus immerfort Sünder, die sich mit seiner Gnade beschenken lassen und ihm fortan als ihrem Heiland vertrauen.

In diesem Gnadenreich Christi ist kein einziger, der auf sich selbst, auf seine guten Werke oder auf „Heilige” und deren gute Werke vertraut.

Allein der vertrauende Glaube ist die Macht oder Gewalt, mit der ein Sünder solche Gnade und Gottes ausgestreckte Friedenshand ergreift.

Schon Jahrtausende vor Christi Geburt ließen sich Sünder mit Gottes Gnade beschenken und hofften auf den verheißenen Heiland.

Die alttestamentlichen Gläubigen setzten ihre ganze Zuversicht auf den „der da kommen sollte” und klammerten sich an die göttlichen Weissagungen.

Darum schauten sie aus nach dem Vorboten, den Gott durch den Propheten Maleachi hatte ankündigen lassen; denn Maleachi hatte 400 Jahre vor Christi Geburt Gottes Worte geweissagt: „Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der HERR, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, des ihr begehret. Siehe, er kommt! spricht der HERR Zebaoth” (Mal. 3,1).

Von diesem Vorboten verkündigte der Prophet Maleachi, dass Gott spricht: Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia…” (Mal. 4,5.6)

Als nun Johannes der Täufer als Vorbote Jesu Christi auftrat, sprach der HERR Christus: Dieser ist’s, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll… und wenn ihr’s annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll” (Matth. 11,10.14).

Christus sorgt dafür, dass sein Reich über die Jahrtausende hinweg gebaut wird und er beschützt seine Kirche und hilft ihr auf.

Er spricht: Ich will bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen” (Matth. 16,18).

Die Kirche Christi bestand am Anfang aus nur zwei Menschen, Adam und Eva, die auf die erste Verheißung vom Heiland hofften, an ihn glaubten und auf ihn warteten.

Denn unmittelbar nach dem Sündenfall hatte der gütige Gott versprochen, den Retter von Sünden zu senden.

Diese Frohe Botschaft gaben die Eltern den Kindern weiter und trösteten sich in all dem Elend, das durch die Sünde über die Menschheit hereingebrochen war.

Und Gott erneuerte sein Versprechen durch die Jahrhunderte hindurch und ließ seine Propheten vom kommenden Heiland predigen.

Voller Sehnsucht erwarteten die Gläubigen, dass Gott seine Verheißung endlich erfüllen möge.

Da gab es Zeiten, in denen die alttestamentliche Kirche sehr zahlreich war und der brausende Jubel vieler Zehntausend die Gottesdienste erfüllte – aber es kamen auch sehr schwere Zeiten, in denen viele vom Glauben abfielen.

Als der Zustand der alttestamentlichen Kirche besonders traurig war, als die meisten in Israel vom wahren Glauben abgefallen waren, sandte Gott den Propheten Elia.

Elia sprach: „Ich habe geeifert um den HErrn, den Gott Zeboath; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert erwürget; und ich bin allein überblieben, und sie stehen danach, dass sie mir mein Leben nehmen“ (1.Kön. 19,10)

Er erneuerte den rechten Gottesdienst durch Gottes Wort, trat gegen falsche Lehren auf und ermahnte die Leute: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre” (Offbg. 14,7). Das war ca. 850 Jahre vor Christi Geburt.

Aber ganz und gar jämmerlich war der Zustand der alttestamentlichen Kirche, bevor der HERR Christus zu wirken und zu predigen begann, zur Zeit des Königs Herodes.

Da sandte Gott den Täufer Johannes, und gleich nach ihm kam der Heiland selbst.

Johannes der Täufer sollte ihm den Weg bereiten; er sollte durch seine Bußpredigt die Menschenherzen aufrütteln, wie ein Bauer im Frühling den Boden vorbereitet, damit die Saat auf gutes Land fällt und aufgeht.

Immer wenn es trübe, traurig und jämmerlich um die Gemeinde der Gläubigen bestellt war, hat Gott der HERR, einen oder mehrere solcher Leute wie den Propheten Elia erweckt.

Sie sollten durch Gottes Wort die Menschenherzen aufrütteln, das Wort Gottes selbst wieder hervorholen unter den Bergen von Menschenlehre, Irrtum und unnötigen Äußerlichkeiten.

Auf diese Weise bewahrt der HERR seine Gemeinde.

Auf diese Weise sorgt er aber auch dafür, dass die Botschaft der Erlösung in allem Kampf nicht untergeht, den der Teufel gegen Gott und seine Ordnung in dieser Welt führt.

Es ist lauter Liebe und Gnade Gottes zu uns sündigen, verlorenen Menschen.

Denn Gott fällt ja dieses Urteil über uns, dass wir von Geburt an „entfremdet sind dem Leben, das aus Gott ist” (Eph. 4,18) und der ewigen Verdammnis entgegengehen.

Aber Gott will nicht, dass wir „sterben in unseren Sünden” (Joh. 8,24), sondern „dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen” (1.Tim. 2,4).

Und er verheißt denen, die an ihn glauben, dass sie „nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3,16).

Fragt ein Mensch: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?”, so antwortet ihm Gottes Wort: „Glaube an den HERRN Jesum Christum, so wirst du …selig” (Apg. 16,30.31).

Und nun spricht Christus: „Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es zu sich [die reißen es an sich]

Von derselben Sache hören wir beim Evangelisten Lukas: „Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt, und jedermann dringt mit Gewalt hinein“ (Luk. 16,16).

Fragen wir zuerst einmal: Was ist denn das „Reich Gottes“? -um recht zu verstehen, wovon Jesus spricht.

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.“ (Röm. 14,17).

Diejenigen, die „Gewalt tun“ oder eben „mit Gewalt hineindringen“, also solche, die Gerechtigkeit vor Gott, Friede und Freude im Heiligen Geist suchen.

Dort, wo sie dies in ihrer Sehnsucht nach Gnade finden (nämlich dort, wo das Evangelium verkündigt wird) dringen sie mit großer Macht, mit starkem Verlangen nach Friede in Herz und Gewissen hinein.

Jesus sagt: „Sie reißen das Reich Gottes zu sich“.

Es ist also hier nicht die Rede von den Pharisäern oder vom Papsttum, wo jemand die Macht über Menschen an sich reißt, ihnen den eigenen Willen aufzwingt, Geld und Gut aus den Leuten saugt.

Zwar reißen solche Leute etwas an sich, aber das Reich Gottes können sie nicht an sich reißen.

Weder lässt sich Gott das Evangelium nehmen noch Vergebung der Schuld, die er schenkt, noch die Macht, Sünder selig zu machen.

Reißen solch Gottlose oder falsche Lehrer etwas an sich, dann jedenfalls nicht das Reich Gottes. Das können sie nicht.

 

Dieses an-sich-reißen ist nichts Böses, sondern es ist, wie Jesus spricht ein „Hineindringen“ in das Reich der Gnade und Liebe Gottes.

Wer erkannt hat, dass er ohne den Heiland der Sünder auf ewig verloren ist – und dann die Frohe Botschaft von der Vergebung der Sünden hört, der hat nichts anderes im Sinn, als nun ganz fest zu diesem Heiland zu gehören und in dieses Reich der Gnade zu gelangen.

Wer sind solche, die das Reich Gottes „mit Gewalt” an sich reißen, wie einen Rettungsring?

Hören wir von einer Frau, von der der Evangelist Matthäus berichtet: „Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde” (Matth. 15,22-28).

Diese Frau wurde von Jesus auf eine harte Glaubensprobe gestellt, doch sie tat dem Reich Gottes Gewalt an, sie riss es an sich, denn die Gnade des Königs dieses Reiches war ihre einzige Hoffnung.

Das Himmelreich leidet Gewalt von den gnadenhungrigen Sündern; und die Gewalt tun, reißen es mit Macht an sich, weil die Gnade Gottes für elende verlorene Menschen die einzige Hoffnung ist.

Mit Jesu Kommen ist das Himmelreich, ist die Gnade Gottes noch näher, noch deutlicher zu uns Sündern getreten, wie Jesus spricht: „Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes” (Vers 13).

Bis Johannes der Täufer als Vorbote Jesu auftrat, klammerten sich die Gläubigen an die Weissagungen Gottes.

Nun aber ist an die Stelle der Weissagung die Erfüllung getreten.

Sünder können in den Berichten des Neuen Testamentes ihren Erlöser noch klarer erkennen und werden durch das Evangelium ermuntert, Jesu Liebe an sich zu reißen und Ruhe zu finden für ihr Seele.

Auch Luther hat nach Gnade bei Gott gehungert.

Die Frage, die ihm im Herzen brannte war: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?

Er war ein Sünder, der sich als vor Gott verloren erkannt hatte und sah immerzu das drohende Gericht vor sich.

Es war bei ihm, wie wir im Psalm lesen: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir” (Psalm 42,2).

Sein Vorgesetzter und Seelsorger im Kloster, Johann Staupitz, wies ihn auf den für uns Sünder gekreuzigten Heiland.

So führte der gnädige Gott Luther dahin, dass er in Gottes Wort immer deutlicher seinen Heiland erkannte, der auch seine Sünden getragen und gebüßt hat.

So wurde an Luther wurde das Psalmwort erfüllt: „Er wird den Armen erretten, der da schreiet, und den Elenden, der keinen Helfer hat. Er wird gnädig sein den Geringen und Armen, und den Seelen der Armen wird er helfen” (Ps. 72,12.13)

Ja, und auch dieses Wort erfüllte sich an Luther: „Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es zu sich [die reißen es an sich].

Wir sollen es verstehen von in ihrer Not verzweifelten Sündern, die sich vor Gottes Gericht fürchten und gern selig werden wollen.

Das Himmelreich „leidet Gewalt”; das heißt soviel wie: „Es bricht mit Gewalt herein” oder „Es lässt sich Gewalt antun” oder auch „Es wird mit Gewalt erstrebt”.

Es ist, als ob ein Mensch mit Gott ringen würde wie Jakob, der nicht ruhte, sondern rief: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” (1.Mose 32,26).

Später schrieb Luther: Denn durch das Gesetz, das Johannes der Täufer verkündigt hat, werden die Menschen gedemütigt, dass sie ihre Sünde im Gewissen fühlen und erkennen, und danach mit großem Eifer zur Gnade eilen und sie gleichsam mit Gewalt zu sich reißen. Denn sie begehren inbrünstig, erlöst zu sein von ihren Sünden, damit sie das Gesetz drückt. Denn solche Gewalt meint Christus in diesen Worten, gleich als wenn Hungrige, wenn sie eines Reichen Güte [Mildigkeit] erkannt haben, haufenweise und mit Ungestüm zu ihm dringen: Also ist das Amt der Stimme des Evangeliums und Johannes, die Sünder durstig und begierig zu machen nach der Gnade. (W2 X, 1035)

Gott der HERR will, dass wir ihm in den Ohren liegen, dass wir ihn bitten, wie die geliebten Kinder ihren lieben Vater, dass wir ihn in unserer Not anrufen, dass wir seine himmlischen Gnadenschätze nicht so nebenbei und oberflächlich nehmen, sondern sie an uns reißen wie einen kostbaren Schatz, den wir nie mehr verlieren wollen.

Darum lässt er das Himmelreich gern Gewalt leiden, d.h. es ist ihm eine Freude, wenn Sünder sich zu seiner Barmherzigkeit drängen und wie die kanaanäische Frau rufen: „Ja, HERR; aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tisch fallen”.

So hat es Gott gefallen, seiner Kirche aufzuhelfen, als sie in großer Not war, als das heilige Evangelium unter den Schuttbergen von Menschenlehre und Heiligenlegenden und unter dem Unrat des Ablasshandels begraben war.

Er zeigte einem einzelnen elenden verzweifelten Sünder das herrliche Licht der Vergebung und führte ihn weiter, dass er dieses Licht auch anderen bringen konnte – auch uns.

Und eben dafür loben wir Gott an diesem Tag und denken dankbar zurück an sein auserwähltes Werkzeug, Martin Luther.

Wie er sich von Gott führen und zum Bau seines Reiches gebrauchen ließ, obwohl es oft Leib und Leben galt, so wollen auch wir uns von unserem HERRn führen und gebrauchen lassen in unserer Zeit – zu Gottes Ehre und zum Heil der Seelen. Amen.

Pfarrer Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden

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